Samstag, 1. Dezember 2012

G O LD PA P E R TAL K S MIT....



Premiere mit Julie, die spontan einfach ja zu meiner Idee gesagt hat. Ihr Blog mat und mi ist für mich ein Beweis, dass mich nicht nur Magazine inspirieren können, Blogs mit Persönlichkeit und Sinn ebenso. Dieses Interview zeigt, dass gerade die Inhalte aus Printmedien, Lesen und Schreiben, Treibstoff eines Bloggers sind. Aber lest selbst...


Liebe Julie, du bist eine großartige Bloggerin, aber auch Magazine gefallen dir....
Ich liebe Magazine und gucke immer wieder in den Regalen, ob es neue gibt. Ich finde es spannend, wie sich das Angebot verändert und bestimmte Themen wie DIY, Kochen oder Landleben plötzlich verstärkte Aufmerksamkeit bekommen. Am Bahnhof, Flughafen oder im Ausland gehört ein Kioskbesuch immer dazu. Wenn mich das Cover, die Inhalte und die Haptik ansprechen, kaufe ich mir recht schnell ein Magazin.
Leider kommt das aber gar nicht so oft vor, da mich nur wenige Zeitschriften wirklich überzeugen. Da freue ich mich sehr über wechselnde Lichtblicke wie Kinfolk, FROH!, The Weekender, das Süddeutsche Magazin, NEON, Gather Journal, CUT und das Frankie Magazine.
Was mir auch gut gefällt, ist die steigende Anzahl toller e-mags, wie z.B. diese: By Fryd, artig & fein, The Spoon, Freckled, sisterMAG. Würde es die genannten auch in Printform geben, wären sie mir jedoch noch ein bisschen lieber, denn das respektvolle Blättern mit den Fingern ist in meinen Augen der beste Umgang mit besonderen Inhalten. Ich hoffe sehr, dass der Printmarkt nicht ganz verdrängt wird.


Deine Magazine leben mit Dir...
Ja, ich sammle manche Magazine bewusst, manche eher aus der Tatsache heraus, dass es mir schwer fällt, sie wegzuwerfen. Von manchen Journalen behalte ich nur einzelne Seiten, bei Kinfolk zum Beispiel das ganze Heft, weil es gleichzeitig wie ein Bildband für mich ist, den man immer wieder gerne in die Hand nimmt. An verschiedenen Stellen und gleichzeitig Leseorten in der Wohnung finden sich daher ein paar kleine Stapel und Sammlungen, die zum Blättern einladen.



Der "The Weekender", Kinfolk, Frankie setzen bewusst auch auf die textliche Gestaltung...
Typografie ist für mich Blickfang, Wegweiser, Gedankenanreger. Erst mal ganz gleich ob gut oder schlecht, denn ich muss zwangsläufig hinschauen. Ist Text gut gesetzt und ansprechend, finde ich das grandios. Dann kann ich ihn mir stundenlang und seitenweise anschauen. Worte, die unschön gesetzt oder in einer lieblosen Schriftart platziert wurden, tun mir persönlich ein bisschen weh. Natürlich ist es Geschmackssache und ich selbst bin auch kein Meister der Typografie. Ich habe große Hochachtung vor diesem Handwerk, wenn es von jemandem mit Herz und Verstand beherrscht wird!

Ich finde man "guckt" sich eher durch das Internet, anstatt richtig zu lesen. Liest du noch?
Seitdem ich lesen kann, kann ich nicht mehr ohne. Ich bin ein Schnellleser und lese ein Buch nach dem anderen. Als Kind hatte ich eine Reihe Lieblingsbücher, die ich immer und immer wieder las. Bei uns zu Hause wurde viel gelesen. Ein Buch mehrfach lesen mache ich heute nur noch selten, auch wenn ich bezüglich der Handlungen ein wahres Kurzzeitgedächtnis habe. Mit Ruhe an einem Wochenendnachmittag auf dem Sofa zu lesen ist wahrer Luxus und kommt auch immer wieder zu kurz. Abends sind ein paar Seiten vor dem Einschlafen beruhigend und auf Bahnfahrten eine wunderbare Möglichkeit in den Inhalten zu versinken. Und Warten kann mit einem guten Buch oder Magazin viel besser überbrückt werden, auch wenn ich gerne selbst beobachte, wie und was andere lesen. 


Empfindest du große Unterschiede beim Lesen zwischen Blogs und Magazinen?
Das Blogslesen ist für mich wie morgens Zeitung lesen. Überblick verschaffen, einzelne Artikel überfliegen, andere ausführlich lesen. Blogreader unterstützen das schnelle scrollende Selektieren. Digitales Lesen ist für mich ein anderes Lesen, sind die Texte zu lang wird es mühselig sie am Bildschirm durchzulesen. Das geht mir auch mit langen Artikeln von e-mags so. Es kommt sogar vor, dass mir am Ende des Tages Printartikel viel zu lang vorkommen. Das gibt mir manchmal schon zu denken, weil ich dann merke, dass sich die Art wie Inhalte konsumiert werden, wirklich verändert und das hat wie so viele Dinge Vor- und Nachteile. 


Du schreibst schöne Texte auf deinem Blog. Schreibst du auch noch richtige Briefe?
Ja, aber leider viel zu selten. In meiner Kindheit war das Briefeschreiben die Postverbindung zu meiner weggezogenen Kindergartenfreundin. Von ersten Schreibversuchen zu später seitenweisen Gedankengängen eine wichtige und herzliche Art Kontakt zu halten. Auch in der Schulzeit schrieb ich mit Freundinnen, die ich zwar jeden Tag sah, viele Briefe, die wir uns in liebevoll selbstgebastelten Umschlägen und Collagen feierlich zusteckten. Ich habe sie alle bewahrt.

Bis heute falte ich gerne Briefumschläge aus Zeitschriftenseiten. Nur der von Hand geschriebene Inhalt kommt leider oft zu kurz. Bestimmte Neuigkeiten, Grüße und Mitteilungen benötigen das persönlich geschriebene Wort. Darauf will auch ich mich wieder mehr besinnen, denn ich weiß ja selbst, wie schön es ist, Tintenseiten aus einem besonderen Umschlag zu ziehen und den Mann am Postschalter dabei zu beobachten, wie er die Marke besonders behutsam platziert, weil da kein gewöhnliches Kuvert vor ihm liegt.



Kugelschreiberin oder Füllerfrau?
Ich schreibe gern von Hand. Listen, Termineinträge, Küchentüfteleien, Geburtstagskarten. Meist mit dem nächstbesten Stift, in Eile eher unordentlich. Als Linkshänder ärgere ich mich oft über aus Versehen verwischte Zeilen. Daher muss die Tinte schnell trocknen. Der Tintenroller gewinnt gegen den Füller, auch wenn mir letzterer besser gefällt. Seit einiger Zeit habe ich auch eine Vorliebe für sehr dünne Minen. Aktueller Stiftfavorit neben einem gut gespitzten HB-Bleistift: ein unscheinbarer Pilot-Roller mit 0.4er Mine in blau oder schwarz.

Hast du einen Schriftstück, das dich begleitet?
Handgeschriebenes von Menschen, die mir am Herzen liegen, verwahre ich wie einen Schatz in einer Kiste. Handschriften haben mich immer schon fasziniert und ich weiß selbst noch, wie es dauerte, bis ich meine fand. Auch historisch betrachtet konnten Briefe so viel Sehnsucht, Heimweh, Hoffnung, Trost und gute wie schlechte Nachrichten aus der Ferne transportieren. Man konnte sie in die Schürzentasche stecken und heimlich in der Speisekammer immer und immer wieder lesen, in angespannter Stille laut der Familie vorlesen oder vor lauter Kummer oder Angst symbolisch verbrennen.


Dem Schriftbild kann man den Gemütszustand des Absenders ansehen, dazu braucht man heute bei der elektronischen Posts viele verschiedene fragwürdige Emoticons. Man kann aus Briefen falsche Schlüsse ziehen, Nachrichten zwischen den Zeilen codieren oder einen Abschied besiegeln. Ein kleines Schriftstück kann so viel auslösen. Eine kleine handgeschriebene Notiz, die man abends müde unter dem Kopfkissen findet, so viel Herzklopfen machen und ein geschriebenes Dankeschön auf der Fußmatte so sehr rühren. Eine Postkarte kann so viel Fernweh auslösen und ein handgeschriebenes Rezeptbuch so viele Erinnerungen wecken. Auch wenn das getippte Wort oft leichter und schneller von der Hand geht, wird es hoffentlich nie das handgeschriebene Wort in kostbaren Momenten ersetzen!


Wem würdest du gern mal schreiben?


Würden beide noch leben, hätte ich gerne eine Brieffreundschaft mit meinen Kinderbuchhelden Astrid Lindgren und Roald Dahl. Es gibt so viele spannende Menschen, denen ich gerne Fragen stellen, eine Portion Mut oder ein Lob schicken würde. Menschen, die vielleicht gar nicht berühmt sind, aber sich jeden Tag mit viel Engagement für eine sinnvolle Sache einsetzen.













Kommentare:

  1. oh julie, du hier als erste, wie wunderbar! und immer wieder schön, mehr von dir zu lesen, bekanntes und neues :)

    marleen, wie fein. ich freu mich auf bald ... katrin

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  2. danke, liebe katrin! ich bin gespannt...

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  3. julie..so wunderbar..bin freudig gespannt wie dein werk hier wächst und freue mich auf januar.. |ti

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  4. Eine tolle Idee und ein schönes Interview. Vielen Dank.

    Grüsse - Katja

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    1. LIEBE KATJA, DANKE FÜR DEINE NETTE RESONANZ!

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  5. Das macht Spaß beim Lesen und man kann das Papier förmlich fühlen! Danke!

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  6. auf julies blog habe ich aber oft das gefühl auch ohne handschrift etwas von ihrem gemütszustand zu spüren. danke dafür

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