Sonntag, 7. April 2013

G O LD PA PER TAL KS M I T RI K E.



Rike ist eine Blogpionierin, zumindest für mich. Ihr Blog bastisRIKE ist einer der ersten Orte, die mich zur Online-Leserin machten. Rike faszinierte mich mit der Schönheit ihrer selbstgemachten Stempel, als der Begriff DIY noch drei große Letter waren und weniger Hype. Auch Papier und Stoffe zählen zu den Materialien, die die Mediengestalterin mit Liebe und mit aufwändiger Handarbeit zu Besonderheiten macht. Wertschätzend achtet sie dabei auf umweltschonende Methoden und Verarbeitungen. Pionierin eben. Ach Basti ist nicht Rikes Mann, sondern ihr Hund. Danke, Rike!
  
Liebe Rike, welche Magazine gefallen dir so gut, dass sie sammelwürdig sind?

Wenige. Zur Zeit sind es lediglich der Weekender, das Wrap Magazine nebst dem apartamento magazin, die durch Abonnements dauerhaft ein Heim finden. Das Plant Journal wird – dank einer Leihgabe von Anna – bald folgen. Daneben finden sich noch eine handvoll ältere Ausgaben der brandeins , des frankie, oder kinfolk magazins.
Die Ausgaben wandern meist durch die Wohnung um sich letztendlich in einer rollbaren Weinkiste einzufinden. Im Arbeitsregal finden sich zudem noch ein paar Hochglanz-Lifestyle-Magazine, die ich aber eher aus beruflichen Beweggründen beherberge.

Fallen dir Typographien im Alltag auf?

Typographie ist Teil meines Arbeitsalltages und so begleitet sie mich tagaus tagein. Aber da sich die Inspiration seltsame Wege sucht, finden sich letztendlich nahezu überall Schriftstücke, die mein Interesse wecken können. Das kann der weggeworfene Einkaufszettel vor dem Supermarkt oder auch die Kaffeeverpackung im Supermarkt sein.


Schreibst du noch Briefe oder Postkarten?

Ja, wenn auch selten. Ich hege ein paar lockere Brieffreundschaften. Daneben mag ich es hin und wieder jemanden mit einer Karte zu überraschen. Ich empfinde es selbst als viel wertvoller zu bemerken, dass sich jemand die Zeit für einen handschriftlichen Gruß genommen hat. dagegen kommen Email & Co einfach nicht an.


Gibt es ein Schriftstück, das dich begleitet?

Ich bewahre tatsächlich viele Briefe und Karten auf. Diese sammle ich in einer Art Erinnerungsbox, der ich alle Jubeljahre einen Besuch abstatte. Daneben gibt es einen handschriftlichen Gruß meiner Oma, den sie mir mit einem Paar selbstgestrickter Socken geschickt hat. Der ist im Rahmen gelandet und steht auf meinem Schreibtisch. Darüber hängt ein Satz von der weltbesten Doro (dorobot.wordpress.com), der einen ihrer Briefe abschloß. Die beiden begleiten mich, sind Umarmung als auch Zeigefinger zugleich.


 Wie wichtig ist dir der Stift?

Vor ein paar Jahren habe ich mir einen schlichten Kolbenfüllhalter gegönnt. Gefüllt mit schwarzer Tinte ist er mein Begleiter. Tatsächlich bin ich sehr pingelig was meine Handschrift angeht und das Schlimmste was ihr widerfahen kann, ist ein schlecht schreibender Stift. Diese Pingeligkeit kann schon mal Grund dafür sein, dass ich zur Schreibmaschine greife, denn ein schlechter Tag spiegelt sich auch in meiner Handschrift wieder.


Brauchst du eine bestimmte Atmosphäre zum Lesen?



Zelebrieren würde ich es nicht nennen. Aber ich benötige innere Ruhe, da hilft zum einen ein Teeritual und zum anderen der Umstand, dass der Arbeitsplatz nicht in nächster Nähe ist. Zuhause findet das Lesen also meist in der heißen Wanne oder im Bett statt. Kurzweiliges auch mal auf dem Sofa. In Bus und Bahn ist das Lesen eher ein Hilfsmittel zur Flucht vor Lärm und Blicken.


Empfindest du große Unterschiede beim Lesen zwischen Blogs und Magazinen?

Vermutlich ist mein Tempo ein anderes. Ich lese sehr ungern am Bildschirm und bewege mich deswegen auf Blogs eher auf der Bild-Ebene. Wenn mich ein längerer Text piekst, benutze ich schon mal den Drucker.

Magazine sprechen hingegen zusätzlich mein haptisches Interesse an. Wenn sie sich diesen, ihnen eigenen Vorteil zunutze machen und mit Papier gekonnt spielen, erfreue ich mich schon am bloßen Blättern.


Eine Eigenschaft die Blogs den Magazinen wiederum voraus haben, ist die Möglichkeit sich mit dem Schreibendem oder dem Leser direkt auszutauschen.


Und auch wenn es manchmal den Anschein macht, als wäre online alles ‚Rosarot mit Sternchen‘, liegt für mich gerade in dieser Eigenschaft ein unbestritten großes Potential.

Wie siehst du die Zukunft der Magazinwelt?

Aus Sicht  des Lesers sehe ich sie tatsächlich erstmal rosarot und bin recht zuversichtlich. Die heutigen Bedingungen haben viele Publikationen hervorgebracht, die Sparten neben dem üblichen Verlagsbrei bedienen. War die Auswahl am Regal jemals so groß?

Inwiefern dieser Anblick jedoch ein Trugschluss ist, da viele Publikationen schon nach wenigen Ausgaben wieder aufgeben müssen, vermag ich natürlich nicht zu sagen. Quantität ist ja auch nicht gleich Qualität.

Und auch die angeblich allgegenwärtige Billig-Mentalität kann diesbezüglich schon mal Zweifel hervorrufen. Zugleich glaube ich aber, dass die Gegenbewegung schon längst zugegen ist. Es gibt die Leser, die das langsamere Tempo suchen, die sich an echten, unaufgeräumten Geschichten  erfreuen und auch bereit sind für dieses ‚gut‘ etwas zu bezahlen. Letztendlich gab es sie schon immer, aber ich glaube sie werden mehr und freue mich still …

Daneben sehe ich für Magazine, die sich für mein Empfinden zu stark an die Blogkultur anlehnen, auf ein hohes Tempo setzen und dabei scheinbar krampfhaft versuchen, die Eigenheiten des ‚Prints‘ über Bord zu werfen, auf lange Sicht keine Chance. Qualität braucht  Zeit. Das wird im Print noch schneller deutlich als in der Onlinewelt. Aber wie gesagt, die Auswahl war noch nie so groß und so findet jedes Magazin wohl auch den passenden Leser.


Wem würdest du gern mal schreiben?

Gute Frage. Gern hätte ich ein paar Zeilen an Herrn Bradbury (http://www.raybradbury.com/) gerichtet. Wobei es wahrscheinlich – aus Ehrfurcht – bei einem einzelnen Wort geblieben wäre. D AN KE SCH ÖN.







Kommentare:

  1. Ui das ist auch einer der ersten Blogs, die ich gelesen habe! Danke für diesen schönen Einblick!

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  2. liebe marleen, schön, welch großartige leute du für deine reihe gewinnen kannst. bastisRIKE war auch für mich eine der ersten berührungen mit blogschönheiten. und dieses interview passt zu meinem bild, das ich von rike habe: feinsinnig und akkurat und klug zugleich. ich mag, was sie macht. sehr.
    liebe grüße von ulma und danke für die schöne sonntagslektüre.

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    1. das geht mir ähnlich. ich finde, in rikes bildern und in ihrer sprache sitzt eine sehr bedachte melodie. das gefällt mir. danke an euch zwei!

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    2. Ich freue mich, dass es euch freut!

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  3. Wie fein. Danke euch für dieses wunderbare Interview.
    It made my day.

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    1. Hui, welch schönes Kompliment. It made my day.

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  4. Wie fein!
    Das habe ich sehr genossen, das Lesen der Zeilen.

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  5. die rike...
    das gefällt mir sehr.
    und wie schön, dass ich sie zur the plant journal leserin machen konnte:)

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  6. liebe marlene, liebe rike, das ist gold, euch im dialog zuzuhören :)

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  7. Ein wunderbares kluges Interview! Fein!
    Habt einen guten Wochenstart ihr zwei!
    Dania

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  8. Sehr schönes Interview. Danke an euch beide!

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